Andauernde Amwindbedingungen haben das 62. Rolex Sydney Hobart Yacht Race 2006 geprägt und die älteren, klassischen Hochseeyachten in der Gesamtwertung nach Handicap (IRC) begünstigt. Am Sonnabendnachmittag (30. Dezember) übergab Geoff Lavis, Kommodore des ausrichtenden Cruising Yacht Club of Australia am Kai von Hobarts Constitution Dock den begehrten Tattersalls Cup an den Gesamtsieger Lindsay May aus Australien und der neun Mann starken Crew seiner 33 Jahren alten „Love & War“, die nach berechneter Zeit vorne blieb. Die schnellsten Maxiracer, wie die „Wild Oats XI“ von Bob Oatley (ebenfalls Australien), die als Erste zwei Tage eher im Ziel war, landeten nur auf den Plätzen.
Nach 628 Seemeilen von der Olympiastadt Sydney nach Hobart auf Tasmanien querte die „Love & War” am Morgen des 30. Dezembers um 9.17 Uhr Ortszeit (MEZ plus zehn Stunden) nach 3 Tagen, 20 Stunden, 17 Minuten und 24 Sekunden die Ziellinie. Ihr folgte eine Welle von Yachten, die im Laufe des Tages einliefen. Keine schaffte es jedoch, die Gesamtsiegerin noch von der Spitze zu verdrängen.
Die 47 Fuß lange „Love & War“ - eines der schönsten Schiffe des Teilnehmerfeldes - wurde 1973 nach einem Riss von Sparkman & Stephens für den Eigner Peter Kurts gebaut. Im Rahmen ihrer langen und beeindruckenden Karriere war sie 1974 und 1978 Gesamtsiegerin im Sydney Hobart Race und ging 1975 für Australien im Admiral's Cup an den Start. In ihren besten Zeiten gewann sie die meisten größeren Hochseeregatten an der australischen Ostküste.
Die „Love & War“ ist eine für ihre Ära typisches Schiff mit Seiteneinfall (wo das Boot unter Deck breiter ist als an Deck), spitzem Bug und Heck, und sie ist immer noch ein Original mit lasierten Teakbohlen in der Kajüte, riesigen Edelstahlwinschen, Tufnol-Blöcken und Aluminium-Rigg - rundum massive, „kugelsichere“ Ausrüstung, typisch für ihre Zeit. Das einzige Zugeständnis an das 21. Jahrhundert sind die Instrumente. „2004 haben wir uns für den Einbau von ‚B&G'-Instrumenten entschieden. Peter konnte es nicht fassen, dass die genauso viel kosteten wie der Rumpf, als das Boot gebaut wurde“, schmunzelte May mit einem der Nostalgie geschuldeten Lächeln. Peter Kurts war im Januar 2005 im Alter von 80 Jahren gestorben, an eben jenem Tag, an dem die „Love & War“ nach dem Abschluss des Rolex Sydney Hobart 2004 zurück nach Sydney segelte.
Die „Love & War“ befindet sich weiterhin im Besitz der Familie Kurts. Peter Kurts' Sohn Simon konnte jedoch dieses Mal nicht selbst segeln und lieh das Schiff an May aus, der mit vielen seiner früheren Kollegen von der berühmten Maxiyacht „Brindabella“ aus Sydney antrat. Beim alljährlichen Rolex Sydney Hobart Race zählen die Teilnehmer stolz, wie oft sie das Rennen bereits gesegelt sind. Und die zehn Besatzungsmitgliedern der „Love & War“ kamen in 2006 auf insgesamt 132 Hobart-Rennen. Sie gehörten zu den Crews mit der meisten Erfahrung.
Unter ihnen war auch der „Brindabella“-Eigner George Snow, der die „Love & War“ dieses Mal als Koch verstärkte. „Mehr Spaß, weniger Verantwortung - und es ist trotzdem ein wichtiger Job an Bord“, scherzte Snow, der nun bekannt ist für sein „Brindabella-Frühstück“, bei dem er den üblichen Zutaten mit viel Tabasco eine ganz eigene Note verlieh.
Abgesehen von der cleveren Taktik, liegt der Erfolg der „Love & War“ in ihrer typischen 70er-Jahre-Rumpfform und ihrer großen Verdrängung begründet - beides günstige Faktoren beim Amwindsegeln, das in diesem Jahr das Rennen zu 90 Prozent bestimmte. „Am Wind läuft das Boot konstant schneller, als es nach Handicap berechnet wird. Vor dem Wind läuft es dagegen nicht so gut - nein, dann ist es nicht so glücklich“, gesteht May.
Snow verglich die Yacht mit den neueren Rennyachten, von denen sie am Kai in Hobart umringt war: „Sie ist schwerer und dabei mit weniger Segelfläche ausgestattet und nicht so dynamisch. Aber sie ist ein schönes Boot, geht mit den Wellen und stößt nicht so schrecklich, sie lässt sich sehr leicht segeln.“
Während die modernen Leichtgewichte unter den Booten in Richtung Küste segelten, hielt die „Love & War“ weiter draußen trotz der rauen Bedingungen den direkten Kurs, wo durch die Strömung nach Süden und den aus Süden wehenden Wind eine steile, ausgesprochen unkomfortable See entstand.
„Wir sind einfach raus gegangen“, erzählt May. „Und dann zog uns diese unglaubliche Strömung mit 4,5 Knoten mit sich.“ Normalerweise ist die Strömung 2 oder 2,5 Knoten schnell. Sie blieben auch vor dem Eingang zur Bass-Straße weit draußen und nutzten weiterhin die Strömung und günstige Strudel voll aus. Ihre östliche Position ermöglichte ihnen auch, auf Tasman Island zuzuhalten, ohne so viel kreuzen zu müssen wie die Boote näher an der Küste. „Dann hatten wir die gesamte tasmanische Küste entlang eine hilfreiche Strömung - 2,5 Knoten, was ich noch nie erlebt habe“, erzählte May.
Kurz nach Mitternacht in der Nacht zu Sonnabend war Danilo Salsis „DSK Comifin“ das zwölfte Boot im Ziel gewesen. Die italienische Swan 45 gewann damit nach berechneter Zeit in der Division C. „Es war ein schönes Rennen. Viel am Wind - ein bisschen zu viel“, sagte der Taktiker und frühere America's Cup- und Volvo Ocean Race-Segler Pietro d'Ali. „Die Swan 45 ist ein gutes Amwindboot und hat in den Wellen keine Probleme. Das Boot hatte keine, aber wir.“
Wie die „Love & War“ hatte auch die „DSK Comifin“ als durables Boot in der ersten Nacht die Strömung genutzt und davon profitiert, sich auf dem Rennkurs östlicher gehalten zu haben. Aber mit dem Glück der Crew war es vorbei, als sie auf Tasman Island zusegelte, wo der Wind abschwächte und die Richtung wechselte, weshalb sie die Ideallinie nicht mehr anliegen konnte.
„Wir sind trotzdem sehr glücklich“, fuhr d'Ali fort. „Das Boot war gut vorbereitet, obwohl wir nicht mit so viel Wind von vorn gerechnet hatten. Es ist kein Gleiter, also wären Vorwindbedingungen auch nicht ideal gewesen. Insofern sind wir mit den Bedingungen zufrieden, die wir hatten.“
Die „DSK Comifin“ wird nun wieder zurück ins Mittelmeer transportiert und im kommenden Sommer an den Rolex Swan-Europameisterschaften und dem Rolex Fastnet Race teilnehmen.
Der britische Skipper Chris Bull und die Crew seiner J/145 „Jazz“ waren mit dem Verlauf des Rolex Sydney Hobart Race nicht ganz so zufrieden. Dazu Bull: „Die erste Nacht war extrem hart, bootbrechende Bedingungen, wie wir bei anderen Teilnehmern gesehen haben und wir haben abgebremst. Wir sind zurück zur Küste gekreuzt, um aus dem Schlimmsten heraus zu kommen, und das hätten wir nicht gemacht, wenn wir so schnell wie möglich nach Hobart kommen wollen. Wir wollten aber das Boot und die Crew schützen. Dadurch sind wir schon gleich zu Beginn des Rennens ins Hintertreffen geraten und konnten dann nur noch versuchen aufzuholen.“
Bull hatte gehofft, dass es mehr Halbwind- oder Raumschotbedingungen geben würde, in denen sich die „Jazz“ bei vergangenen Hochseerennen so gut geschlagen hatte. „Zum Ende hin haben wir den Spinnaker gesetzt und konnten noch etwas verlorene Zeit aufholen. Ich denke, dass wir gar nicht so schlecht dagestanden hätten, wenn wir den Spi wenigstens die halbe Strecke hätten fahren können, aber so war es einfach ein bisschen zu spät dafür gewesen.“ Unabhängig davon gab Navigator Mike Broughton einen östlicheren Kurs vor und sie profitierten von dieser Taktik. Sie kamen als 16. in Hobart an und wurden in der Division C Dritte nach berechneter Zeit.
Crewmitglied und dreifacher Olympiamedaillengewinner Rodney Pattisson, einer der Steuermänner der „Jazz“, freute sich aber, seinen Zählerstand beim Rolex Sydney Hobart aufgebessert zu haben, bei dem er nun drei von sechs gestarteten Rennen auch beendet hat. „Dieses Mal war es leicht, abgesehen davon, dass es immer gegen an ging. Wir hatten nur eine einzige harte ‚Landung' in einer Nacht. Normalerweise herrscht eine noch schlimmere See.“
Um 19 Uhr Ortszeit am 30. Dezember wurden immer noch 13 Yachten in Hobart erwartet, allerdings konnte keine von ihnen noch schnell genug sein, um die „Love & War“ noch zu schlagen.
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