Nach dreißig Jahren gewann erstmals wieder eine kleine, unter 40 Fuß (zwölf Meter) lange Segelyacht den 608-Seemeilen-Klassiker unter den Hochseeregatten: das Rolex Fastnet Race von Cowes/Isle of Wight um den Fastnet Rock im Süden Irlands herum zurück nach Plymouth/England. Als die großen Racer nach überwiegend schwacher Brise zwar längst im Ziel waren, verhalf aufkommender Wind den kleineren Booten zu einer spannenden Aufholjagd. Die französische „Iromiguy“ holte sich schließlich den Gesamtsieg. Beste Deutsche war die Kieler IMX 38 „Xenia“ von Jürgen Bisch. Die Maxiyacht „UCA“ von Klaus Murmann (ebenfalls Kiel) gehörte ebenso zu den Geschlagenen und landete ganz weit hinten.
Nach mehr als fünf Tagen auf See war die Sensation am Freitagmittag (12. August) perfekt. Um 12.24 Uhr überquerte die Nicholson 33 „Iromiguy“ an der Queen Anne's Battery in Plymouth in der südwestenglischen Grafschaft Devon die Ziellinie des Rolex Fastnet Race und gewann nach berechneter Zeit eine der weltweit größten Hochseeregatten. Denn zu diesem Zeitpunkt war kein anderes Boot mehr im Rennen, das der sechs Mann starken Crew unter dem französischen Skipper Jean-Yves Chateau den Sieg hätte streitig machen können.
Traditionell wird das Rolex Fastnet Race von großen Yachten dominiert. Sie segeln schnell genug, um aus dem Solent heraus zu kommen, bevor die Tide kentert. Die kleinen Yachten hingegen haben dann oft mit der gegenlaufenden Strömung zu kämpfen und müssen manchmal sogar Ankern; besonders bei wenig Wind, wie in diesem Jahr. Nachdem Profi-Navigator Mike Broughton am Vorabend des Rennens bei der Einweisung der Skipper leichte Winde vorhergesagt hatte, war klar, dass die Tide eine noch größere Rolle spielen würde als gewöhnlich.
So hatte der zum vierten Mal startende Franzose Chateau nicht im Traum daran gedacht, mit der bald 30 Jahre alten, gerade zehn Meter langen „Iromiguy“ den Gesamtsieg einfahren zu können: „Ich bin in diesem Jahr mit dem Ziel angetreten, meine Klasse zu gewinnen“, erklärte der passionierte Hobbysegler. 2003 hatte der Arzt bereits den zweiten Platz in der Gruppe IRC 3 errungen. „Es ist nicht zu glauben dass ich das ganze Rennen gewonnen habe“, erklärte Chateau: „Unmöglich, ein Kindheitstraum!“ Er hat ihn mit einem Boot umgesetzt, das kaum 20.000 Euro wert ist.
30 Jahre sind vergangen, seitdem zum letzten Mal eine unter 40 Fuß lange Yacht den Hochseeklassiker Fastnet Race gewann. 1975 siegte die „Golden Delicious“, auch eine Nicholson 33, exakt dasselbe Design wie die „Iromiguy“.
Nach dem Start vor Cowes am 7. August waren besonders die großen Yachten bei wenig Wind gut losgekommen. Die neue Generation der Hightech-Rennyachten mit modernem Design segelt fast immer schneller als der Wind. Sie nutzen den wahren Wind so effektiv, dass er zusammen mit dem Fahrtwind, der durch die eigene Bootsgeschwindigkeit entsteht, eine deutlich stärkere Windströmung verursacht, welche ihnen mehr Vortrieb verschafft.
Als die Boote in der Irischen See in die Flaute fuhren, wurde dieser Vorteil offenbar. Auf spiegelglatter See schnitt die neuseeländische „ICAP Maximus“ weiter durch das Wasser und segelte sich einen enormen Vorsprung heraus. Als Mitfavoritin um den Sieg nach gesegelter Zeit hatte die Maxiyacht bereits am Mittwochmorgen (10. August) als erstes Schiff die Ziellinie des 608 Seemeilen langen Kurses überquert. 15 Stunden vor ihrer großen Widersacherin, der australischen „Skandia Wild Thing“. Angesichts der anhaltend schwachen Winde machten sich die Eigner der „ICAP Maximus“, Charles St. Clair Brown und Bill Buckley, sogar Hoffnungen auf den Gesamtsieg nach berechneter Zeit.
Denn die eigentlichen Favoriten für die IRC-Wertung kamen in der Irischen See nur langsam voran. Unter ihnen führte die irische TP 52 „Patches“ mit den Olympiamedaillisten Ian Walker und Shirley Robertson im Team deutlich vor ihrer härtesten Konkurrentin, der griechischen Ker 55 „Aera“ (Siegerin des Rolex Sydney Hobart Race 2004) und anderen, ähnlich großen Rivalinnen. Doch selbst als der Wind noch einmal auffrischte, vermochte Eamon Conneelys „Patches“ den berechneten Vorsprung der „ICAP Maximus“ nicht mehr aufzuholen.
Donnerstagabend kam von Westen dann die lang ersehnte Brise für die noch in der Irischen See dahindümpelnden kleineren Boote. Endlich konnten sie wieder segeln und kamen unter Spinnaker zügig voran. Das Rennen nahm eine unerwartete Wendung. Die Führung der „ICAP Maximus“ schmolz dahin und wurde Donnerstagabend von Shaun Frolichs IMX 45 „Exabyte III“ erstmals geknackt. In der Nacht setzen sich im 15-Minuten-Takt immer wieder andere Yachten berechnet an die Spitze des Rolex Fastnet Race. Am nächsten Mittag stand die Überraschungssiegerin „Iromiguy“ fest.
Auch die Hoffnungen des deutschen Maxiracers „UCA“ von Klaus Murmann aus Kiel wurden mit dem spät einsetzenden Wind begraben. Die Mannschaft musste zusehen, wie eine kleine Yacht nach der anderen sich im Endergebnis vor Deutschlands größten Hightechracer schob. Die 86 Fuß (26,50 Meter) lange Judel/Vrolik-Konstruktion hatte mit zu den schnellsten Teilnehmern gehört. „Unter den Großen haben wir uns noch achtbar geschlagen, aber der Windgott meinte es halt diesmal mit den Kleinen gut. Das muss auch mal so sein“, meinte der Eigner.
Nach drei Tagen 17 Stunden, 41 Minuten und 20 Sekunden war sie vor Plymouth ins Ziel gekommen. In ihrer Klasse Super Zero (SZ) erreichte die Halterin mehrerer Regattarekorde damit immerhin noch Platz acht, deutlich von der Vorletzten „Skandia Wild Thing“ und der spanischen Volvo 70 „Movistar“, die bei ihrer Generalprobe für die Weltumseglung nur die alte Maxiyacht „Arnold Clark Drum“ hinter sich ließ, die das Rennen aufgab. Insgesamt reichte es für die „UCA“ nur zu Rang 243 unter 263 gestarteten Yachten.
Die kleinen Boote dominierten schließlich die Siegertafel nach berechneter Zeit. Nach der „Iromiguy“ kam die irische Granada 38 „Cavatina“ von Eric Lisson auf den zweiten Platz. Rang 3 ging an die französische X-312 „Exile“ von Eigner Nicholas de la Fourniere.
„ICAP Maximus“ errang nach dem Titel als erstes Schiff im Ziel auch den ersten Platz der Klasse SZ, nach berechneter Zeit mehr als vier Stunden vor ihrer Verfolgerin „Patches“. In der Klasse Z schlug Robert Boulters Mills 37 „Thunder 2“ Steven Bloms Grand Soleil 45 „Satori“ nach Handicap mit weniger als anderthalb Stunden Vorsprung. Roger Dunstans Prima 38 „Bounty Hunter“ gewann die Klasse IRC 1. Der Sieg in IRC 2 ging an Harry Heijsts Sparkman & Stephens 41 „Winsome“. In der IRM-Klasse triumphierten die einheimischen Nick und Andie Haigh im Kampf der Farr 40 mit „Too Steamy“ nur einer Stunde vor der australischen „Cacharaza“. Der Franzose Joel Malardel gewann mit der Normanni 34 „Tancrede“ die Klasse der kleinen Mehrrumpfboote. In der Zweimannklasse siegte Pascal Loison mit Partner auf der J/105 „Night and Day“.
Die Sieger wurden am Freitagabend, dem 12. August, in der Royal Citadel mit mehr als 30 Pokalen in Plymouth geehrt. Charles St Clair Brown und Bill Buckley als Co-Eigner des ersten Schiffs im Ziel erhielten je eine Armbanduhr Rolex Rolesium Yachtmaster. Für den Sieg der Klasse SZ bekam die 98 Fuß lange „ICAP Maximus“ außerdem den Errol Bruce Cup. Eine Rolex Rolesium Yachtmaster ging auch den Sieger des Gesamtrennens nach berechneter Zeit Jean-Yves Chateau, Eigner der „Iromiguy“. Die Nicholson 33 wurde auch mit dem Fastnet Challenge Cup ausgezeichnet.
Aufgegeben hatte die prominent besetze „Arnold Clark Drum“ mit Simon Le Bon. Der Leadsänger der Band Duran Duran war mit der Maxiyacht bereits 1985 an den Start gegangen. Nachdem ihr Kiel damals im Sturm losgerissen wurde, kenterte die Yacht und die Mannschaft musste gerettet werden. 20 Jahre später war die Crew fest entschlossen, den legendären Fastnet Rock endlich zu Gesicht zu bekommen. Der schwache Wind brachte den engen Terminkalender des Rockstars aber gehörig unter Druck. Da Le Bon für ein Konzert nach Amerika zurück musste, gab das Team das Rennen erneut auf. Vor ihrer Umkehr motorten sie aber noch zum Fastnet Rock und begossen den Anblick des schwer erreichbaren Felsens mit Champagner. Danach ging es zurück zu den Scilly Isles, von wo aus Le Bon mit einem Leichtflugzeug über den Atlantik zu seinem Auftritt jagte.
Ergebnisse des Rolex Fastnet Race 2005
(Bootsname, Bootstyp, Eigner)
IRC
1st Overall: Iromiguy, Nicholson 33, Jean-Yves Chateau
Line Honours: ICAP Maximus, Charles St. Clair & Bill Buckley
IRM
1st Overall: Too Steamy, Farr 40, Nick & Annie Haigh
Line Honours: Leopard of London, Reichel/Pugh, Mike Slade
IRC - Super 0
1) ICAP Maximus, Elliott 30m, EBS Yachting
2) Patches, TP 52, Eamon Conneely
3) Bear of Britain, Farr 52, Kit Hobday
IRC - 0
1) Thunder 2, Mills 37, Robert Boulter
2) Satori, Grand Soleil 45, Steven Blom
3) Moana, First 47.7, Francois Goubau
IRC - 1
1) Bounty Hunter, Prima 38, Roger Dunstan
2) Ster Wenn 5, X 442, Guy Sallenave
3) Puma Logic, Reflex 38, Sailing Logic
IRC - 2
1) Winsome, S & S 41, Harry Heijst
2) Night and Day, J 105, Pascal Loison
3) Groupe Paprec, X 332, Jacques Amedeo
IRC - 3 (subject to fleet finishes)
1) Iromiguy, Nicholson 33, Jean-Yves Chateau
2) Cavatina, Granada 38, Eric Lisson
3) Exile, X 312, Nicholas de la Fourniere
IRM
1) Too Steamy, Farr 40, Nick & Annie Haigh
2) Cacharaza, Farr 40, Marcos Vivian de la Pedrosa
3) Hooligan V, Max Fun 35, Edward Broadway
Multihulls
1) Tancrede, Normanni 34, Joel Malardel
2) Dazzle, Dazcat 12, Michael Butterfield
3) Paradox, Dazcat 10m, Matt Baker
Two-Handed (subject to fleet finishes)
1) Night and Day, J 105, Pascal Loison
2) Berrimilla, Brolga 33, Alex Whitworth
3) Sixes and Sevens, Sigma 33, Pip Dwyer/Jon Brockhouse
Open 60
1) Cheminees Poujoulat, Bernard Stamm
2) Virbac-Paprec, Jean-Pierre Dick
3) Sill & Veolia, Roland Jourdain
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